Schutz & Bedrohung

Wie viele Giraffen gibt es noch? Die aktuelle Population weltweit

Etwa 140.000 Giraffen leben heute noch in Afrika - eine Erholung vom historischen Tiefpunkt, doch drei der vier Arten sind weiterhin hochgradig bedroht. Erfahren Sie die aktuellen Bestandszahlen, Trends und wie der Naturschutz wirkt.

Zuletzt geprüft: Juli 2026

Die gute Nachricht zuerst: Die Giraffenpopulation in Afrika erholt sich langsam. Nach jahrzehntelangem dramatischem Rückgang berichten Naturschutzorganisationen mittlerweile von stabilisierenden Trends. Doch die Zahlen sind und bleiben besorgniserregend - und die Geschichte der Giraffen ist eine Geschichte von Fast-Ausrottung und fragmentiertem Hoffnungsschimmer zugleich.

Wie viele Giraffen gibt es noch?

Die Giraffe Conservation Foundation (GCF) schätzt die aktuelle Gesamtpopulation auf etwa 140.000 Giraffen in Afrika (Stand 2025). Das klingt nach einer großen Zahl, relativiert sich aber dramatisch beim historischen Vergleich: Im 18. Jahrhundert durchstreiften über eine Million Giraffen den afrikanischen Kontinent. Selbst die ersten zuverlässigen Zählungen der 1980er Jahre dokumentierten etwa 155.000 Tiere. Die Giraf­fen haben somit rund 90 Prozent ihrer früheren Lebensräume verloren - ein Rückgang, den der Naturfilmer Sir David Attenborough als “stille Ausrottung” beschrieb.

Vier Arten - vier unterschiedliche Schicksale

Der Blick auf die einzelnen Giraffenarten offenbart massive Unterschiede. Erst 2024/2025 hat die Internationale Union for Conservation of Nature (IUCN) die lange Zeit als eine einzige Art behandelten Giraffen offiziell als vier genetisch distinct Species anerkannt. Jede hat ihr eigenes Schicksal:

  • Südgiraffe: etwa 68.837 Tiere (stabilisiert)
  • Massai-Giraffe: etwa 43.926 Tiere (stabil bis leicht wachsend)
  • Netzgiraffe: etwa 20.901 Tiere (wächst langsam)
  • Nordgiraffe: etwa 7.037 Tiere (kritisch gefährdet, aber wächst)

Die positive Nachricht: Drei der vier Arten zeigen laut dem State of Giraffe Report 2025 positive Populationstrends. Die Südgiraffe etwa profitierte von verbessertem Monitoring und ist in fünf Jahren um etwa 50 Prozent gewachsen. Auch die Nordgiraffe, lange Zeit am Rande des Kollaps, hat eine nahezu 20-prozentige Zunahme verzeichnet.

Nordgiraffe und Nubische Giraffe - kritische Notfälle

Dennoch bleiben einige Arten in kritischem Zustand. Die Nubische Giraffe - eine Unterart der Nordgiraffe - ist besonders bedroht: Sie hat seit den 1980er Jahren etwa 98 Prozent ihrer Population verloren. Von den ursprünglichen Hunderttausenden sind heute weniger als 4.650 Individuen übrig, davon etwa 3.000 echte Nubische Giraffen. Wilderei, Habitat-Verlust und bewaffnete Konflikte in ihrem Verbreitungsgebiet (Sudan, Südsudan, Tschad) sind die Hauptgründe.

Die Netzgiraffe mit knapp 21.000 Tieren ist auf der Roten Liste als “stark gefährdet” eingestuft. Wilderei für Fleisch und Leder sowie die Umwandlung von Savannen in Agrarland sind die Hauptfeinde dieser Art, die fast ausschließlich in Kenia und Somalia lebt.

Ursachen des Rückgangs - und erste Erfolge

Die Gründe für den dramatischen historischen Decline sind vielfältig: Jagd auf Fleisch und Trophäen, Verwendung von Giraffenhaut für traditionelle Medizin und Leder, Habitat-Fragmentierung durch Landwirtschaft und Besiedlung, Dürren und Klimawandel. Dazu kamen bewaffnete Konflikte in mehreren afrikanischen Ländern, die Naturschutz zur Nebenrolle degradierten.

Doch der Trend scheint sich zu drehen - zumindest regional. Länder wie Kenia, Tansania und Namibia berichten von stabilen oder wachsenden Populationen. Die Giraffe Conservation Foundation arbeitet in 21 afrikanischen Ländern und hat 14 Nationen unterstützt, nationale Schutzstrategien zu entwickeln. Die neue Giraffe Africa Database (GAD) soll als zentrales Monitoring-System kontinentale Populationstrends verfolgen und Schutzmaßnahmen lenken.

Warum die neue Zahl von 140.000 Hoffnung gibt

Die aktuelle Schätzung von etwa 140.000 Giraffen ist nicht nur ein Rückzug aus einem früheren Minimum unter 100.000 (wie 2016 dokumentiert). Sie zeigt auch, dass Naturschutz funktioniert. Verbesserte Datenerfassung, strengere Schutzgebote, Community-basierte Conservancy-Modelle und die Anerkennung von Giraffen als Flaggschiff-Art für afrikanische Biodiversität zahlen sich aus. Executive Director Stephanie Fennessy der GCF sagte: “Nicht nur, dass unsere Schutzmaßnahmen Wirkung zeigen - wir werden auch besser darin, diese ikonischen Kreaturen zu überwachen und zu schützen.”

Der Kampf ist aber bei weitem nicht vorbei. Solange Giraffen in manchen Regionen um 95 Prozent ihres Bestands dezimiert wurden, solange die Nubische Giraffe um ein Haar ausgestorben wäre, solange drei der vier Arten offiziell als hochgradig bedroht gelten - bleibt die stille Ausrottung eine aktuelle Bedrohung. Doch die ersten Erfolge zeigen: Mit politischem Willen, wissenschaftlicher Exzellenz und lokaler Zusammenarbeit kann sich die Kurve krümmen. Die nächste Dekade wird zeigen, ob dieser Aufwärtstrend hält.

Häufige Fragen

Sind Giraffen vom Aussterben bedroht?

Giraffen als Gruppe sind auf der IUCN-Roten Liste als 'Vulnerable' (anfällig) eingestuft. Allerdings variiert der Status zwischen den vier Arten stark: Die Nordgiraffe ist kritisch gefährdet, die Netzgiraffe stark gefährdet, während die Südgiraffe stabiler ist. Drei der vier Arten gelten als hochgradig bedroht und benötigen dringenden Naturschutz.

Wie viele Giraffen gab es früher?

Im 18. Jahrhundert lebten über eine Million Giraffen in Afrika. In den 1980er Jahren waren es noch etwa 155.000. Giraffen haben somit etwa 90 Prozent ihrer historischen Verbreitungsgebiete verloren. Die Jagd, Habitat-Verlust und bewaffnete Konflikte sind Hauptgründe.

Welche Giraffentart ist am kritischsten?

Die Nubische Giraffe (eine Unterart der Nordgiraffe) ist am kritischsten: Sie hat etwa 98 Prozent ihrer Population seit den 1980er Jahren verloren und nur noch etwa 3.000 Individuen existieren heute. Sie kommt hauptsächlich in Sudan, Südsudan und Tschad vor, wo bewaffnete Konflikte Naturschutz erschweren.

Gibt es Hoffnung? Wachsen die Giraffenpopulationen wieder?

Ja, seit 2016 zeigen sich positive Trends. Der 2025 State of Giraffe Report der GCF dokumentiert, dass drei der vier Arten wachsen oder stabil sind. Die Südgiraffe etwa ist in fünf Jahren um etwa 50 Prozent gewachsen. Erfolgreiche Schutzstrategien, Monitoring-Programme und Community-basierte Conservation zahlen sich aus - der Trend muss aber gestärkt werden.

Quellen

  • https://giraffeconservation.org/facts-about-giraffe/how-many-giraffe-are-there-and-are-they-endangered/
  • https://giraffeconservation.org/state-of-giraffe/
  • https://www.ifaw.org/de/journal/giraffen-aussterben-bedroht
  • https://iucn.org/press-release/202508/four-giraffe-species-officially-recognised-major-conservation-reclassification
  • https://giraffeconservation.org/4-giraffe-species-recognized-in-historic-iucn-decision/